Die Begleitung der Wöchnerin –  das Wochenbett und die Zeit danach

 

Im Allgemeinen kann man vom psychologischen Standpunkt aus im Wochenbett drei Phasen nach der Geburt unterscheiden:

  1. Die Erholungsphase
  2. Die Begegnungsphase mit dem Kind
  3. Die Anpassungs- und Wiederfindungs-Phase an die Umwelt

In der 1. Phase steht die Erholung von der Entbindung im Vordergrund. Die meisten Frauen fühlen sich glücklich oder sind froh ‚es hinter sich zu haben‘. Die innere Erregung durch das Erlebnis der Geburt bringt mache Frauen in ein „Aufgewühltsein“, das nur langsam abklingt. Trotz großer Müdigkeit können diese Frauen meist nicht einschlafen und kommen nicht zur Ruhe. Im Psychischen ist es mitunter ein „Nicht-Begreifen-Können“ der ganz normalen Mutterschaft.

In der 2. Phase, der eigentlichen Wochenbett-Periode, muss sich die Mutter mit den Forderungen und Nöten des Säuglings auseinandersetzen und reagieren. Manche Wöchnerinnen empfinden ihr Kind als fremd, ein Gemisch aus Freude und Angst, Stolz, Enttäuschung und auch von merkwürdiger Gleichgültigkeit. Doch durch das ständige Beisammensein mit dem Kind, z.B. Stillen, verstärken sich in dieser Phase die positiven Gefühlswerte und es baut sich mit der Zeit eine liebevolle Mutter-Kind-Beziehung auf.

In der 3. Phase löst sich die Mutter aus der engen Verbindung mit ihrem Kind. Die Frau kommt wieder zu einem so lange vernachlässigten emotionalen Kontakt mit ihrer Umwelt. Diese Phase setzt bei den meisten Frauen allmählich und zeitlich verschieden ein.

In den verschiedenen Phasen des Wochenbettes ist es vollkommen normal wenn man vorübergehend gefühlsmäßige ‚Schwächezustände‘ hat. Diese können z.B. sein: Stimmungsschwankungen (Heultage), Erschöpfungszustände, Überempfindlichkeit, das Gefühl von Überforderung oder Unfähigkeit, usw. …

Diese sehr persönlichen Krisensituationen sollten bei der Mutter spontan in ein baldiges Gefühl der Überwindung der Verstimmungen und Krisen führen.

Reaktive, depressive Verstimmungen

Wenn sich dieses Gefühlsbild der ‚Schwächezustände der Frau‘ nicht von selbst auflöst können echte Lebenskrisen entstehen:

  • das Gefühl der Aufgabe als Mutter nicht gewachsen zu sein
  • die Rolle der Mutterschaft nicht annehmen können
  • alle möglichen Formen von Angstzuständen
  • intensivste emotionale Schwankungen
  • Flucht in eine Krankheit und von psychosomatischen Versagensreaktionen regiert
    (z.,B. Schwindel, ständige Müdigkeit, körperliche Unfähigkeit die gewohnte Tätigkeit – Haushalt / Beruf – wieder aufzunehmen)
  • das Gefühl der eingeschränkten Bewegungsfreiheit
  • körperliche Mängel und Beschwerden
  • das Gefühl die eigenen Identität zu verlieren
  • die Beziehung zum Säugling schwankt von übertriebener Fürsorge und Nachgiebigkeit, bis zur Ablehnung und negativen Gefühlen